Jiu Jitsu

Das Prinzip

Jiu-/Ju-Jitsu ist eine japanische Selbstverteidigung. Man übt Griffe und Techniken zur Verteidigung wie Würfe, Hebel, Transportgriffe. Außerdem werden sogenannte Atemi (=Schlagtechniken gegen Vitalpunkte des menschlichen Körpers) gelehrt. Jiu Jitsu kann bis ins hohe Alter von Personen beiderlei Geschlechts ausgeübt werden — und man lernt trotzdem nie aus.

Jiu Jitsu ist kein festgelegtes Set von Techniken. Es ist vielmehr das Prinzip, die Kraft und Gewalt eines Angreifers ins Leere laufen zu lassen und dessen Energie zu seinem eigenen Schaden einzusetzen.

Durch die Konzentration auf dieses Prinzip wurden Techniken über mehr als 1000 Jahre verbessert, neue Techniken eingeflochten, auch neue Techniken gegen neue Angriffsmethoden entwickelt, beispielsweise gegen Pistolen.

Jiu = weich, sanft, Jitsu = Kunstgriff

Die Ursprünge

China war für Japan die Brücke zur Weltkultur aus Zentralasien und Europa. Bis ins 8. Jahrhundert beeinflusste die indische und chinesische Hochkultur Japan stark. Chinesische Kaufleute und Mönche brachten vermutlich auch das Jiu Jitsu nach Japan. Die japanischen Ritterkaste der Samurai pflegte und entwickelte Jiu Jitsu über die Jahrhunderte. Die Samurai hatten das Vorrecht, zwei Schwerter zu tragen. Einige Zeit lang verbot ein kaiserliches Dekret den Samurai das Tragen der Schwerter. Sie übten sich daraufhin noch intensiver in der Kunst des Jiu-Jitsu und entwickelten es weiter.

Beinahe-Untergang und Sprung in die Moderne

Mit dem Niedergang des Ritterordens der Samurai und dem Einzug moderner Kriegsführung verlor Jiu-Jitsu seine Bedeutung. Ende des 19. Jahrhunderts beherrschten nur noch wenige Japaner diese Kampfkunst. Die geglückte Rettung in die Moderne verdankt Jiu-Jitsu auch den Bemühungen eines Deutschen. Professor Dr. Erwin Bälz war ca. 1876-1902 als Dozent an der Kaiserlichen Universität in Tokio tätig. Er hatte Vorführungen des bereits 70 Jahre alten Jiu-Jitsu Lehrers Totsuka gesehen und war davon derart beeindruckt, dass er seinen Schülern diese Übungen zur Schulung von Geist und Körper empfahl.

1905 warb Dr. Erich Bälz nach seiner Rückkehr aus Japan für Jiu-Jitsu. 1906 gründete Erich Rahn die erste deutsche Jiu-Jitsu-Schule in Berlin. Sie besteht noch heute. Ab 1910 unterrichtete Erich Rahn die Berliner Kriminalpolizei. Rahn und der Japaner Higashi traten sogar im Zirkus auf und nahmen dort Herausforderungskämpfe gegen Jedermann an.

Entstehungsmythen

Wie in allen Dingen gibt es auch im Budosport und hier speziell im Jiu-Jitsu vielerlei Geschichten, die sich mit der Entstehung befassen. Die nachfolgende ist nur eine davon, aber die am meisten verbreitete:

Der japanische Arzt Yoshitoki erlernte in China die Kunst des waffenlosen Zweikampfes und stellte fest, dass man zur wirkungsvollen Ausführung der Techniken erhebliche Körperkräfte benötigt. Nach Japan zurückgekehrt, beobachtete er an einem Wintertag bei starkem Schneefall einen Kirschbaum und eine Weide. Während die starren Äste des Kirschbaumes brachen, bog die Weide ihre Äste geschmeidig unter der Last und blieb unbeschädigt. Durch diese Beobachtung aufmerksam geworden, kam Yoshitoki-San auf die Idee, ein Kampfsystem zu entwickeln, bei dem der Schwächere durch Nachgeben, entsprechend dem Geist der Weide, siegen könnte. Yoshitoki-San zog sich in einen Tempel zurück und entwickelte dort 103 Griffe zur Selbstverteidigung. Es beinhaltet die Abwehr eines Angriffs unter Ausnutzung von Hebelgesetzen und anatomischen Kenntnissen der Schwachstellen des menschlichen Körpers.

Bushidō

Die Philosophie des Jiu Jitsu wird vom Bushidō bestimmt. Wörtlich übersetzt heißt das: Der Weg des Kriegers. Das Bushidō wurzelt im Shintō, im Buddhismus und im Konfuzianismus. Es lässt sich auch mit den berühmten sieben Tugenden des Samurai ausdrücken:

  1. Gi – Rechtlichkeit, Gerechtigkeit
  2. Yu – Mut
  3. Jin – Menschlichkeit
  4. Rei – Höflichkeit
  5. Shin – Wahrhaftigkeit
  6. Meiyo – Ehre
  7. Chū – Treue
Bushidō

Kalligraphie des Bushidō und der sieben Tugenden von Michiko Imai